29.05.2019

Blockchain - Wenn Sie wüssten!

Legitimation von Dokumenten mithilfe der Blockchain erweist sich als problematisch

#Blockchain#Aufbewahrung#Kryptowährung#Vertrag
Zukunft Verstehen Team
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Neben der Signatur (z.B. der "QeS") gibt es weitere Arten der Verifikation digitaler Dokumente zur Erfüllung kaufmännischer Aufbewahrungspflichten nach § 257 HGB, § 147 AO. Ein neuer Trend ist die Integritätsprüfung von Dokumenten anhand einer Kryptowährungs-Blockchain. Die mit Abstand beliebtesten Netzwerke sind Bitcoin und Ethereum.

Jedoch ist für blockchainbasierte Anwendungen essentiell, dass sich Kryptowährungen langfristig bewähren. Sonst fehlen Teilnehmern des Blockchain-Netzwerks Anreize, um der Blockchain Rechenleistung ("Proof Of Work"), Speicher und Anteile ("Proof Of Stake") zur Verfügung zu stellen. Maßgeblich ist, ob sich Kryptowährungen als Zahlungsmittel durchsetzen.

Ein weiteres Problem der Verifikation von Dokumenten wie Verträgen mithilfe der Blockchain ist, dass die Daten nach dem Speichern als Hashwert unveränderlich sind, davor jedoch verfälscht werden können. So kann ein Vertrag auch dann in der Blockchain "verewigt" werden, wenn er nicht legitim oder nicht mit diesem Inhalt geschlossen wurde.

Beständigkeit der Blockchain

If I can store data forever and know when I filed it, I have a very simple and powerful proof of the existence of data at a given time and the integrity of the information.
B. Hecker, Blockchain in productive use cases?

Durch die Aufbewahrung des Hashwerts von Dokumenten in einer Blockchain soll die Integrität der Dokumente garantiert werden. Dieser Prozess setzt auf die unveränderte Erhaltung der in der Blockchain gespeicherten Daten.

Zeitlich unbefristetes Speichern (store data forever) und die Authentizität der Daten (existence of data at a given time and the integrity of the information) sind jedoch deutlich problematischer, als es die oben zitierte Aussage erahnen lässt.

Alle namhaften Blockchain-Netzwerke basieren auf der Legitimation durch "Proof Of Work": Neue Blöcke werden durch die Lösung mathematischer Rätsel gefunden. Die Rätsel werden mithilfe von Computern durch den Einsatz von Rechenkraft gelöst. Je mehr Rechenkraft zur Verfügung gestellt wird, desto wahrscheinlicher gelingt die Lösung des Rätsels und der "Finder" erhält für das Minen eines neuen Blockes eine Gegenleistung. Bei Kryptowährungen werden Miner durch Transaktionsgebühren und Belohnungen in Form von Coins vergütet. Der Prozess des Minens benötigt allerdings immense Rechenkraft, verbraucht dementsprechend massenhaft Strom. Analysen ergaben, dass allein die Bitcoin-Blockchain im Jahr 2018 mehr Strom verbraucht als das gesamte Land Dänemark.

Eine Lösung für dieses Problem könnte die Umstellung auf Legitimation durch "Proof Of Stake" darstellen: Dabei werden Blöcke durch den Besitz von Anteilen an der Blockchain legitimiert. Die Sicherheit der Blockchain lässt sich so anhand ihres Wertes bemessen. Dieser Wert muss hoch genug sein, um Angriffe auf das Netzwerk zu verhindern. Außerdem gibt es andere Probleme wie Nothing At Stake, deren Lösungen sich in der Praxis erst beweisen müssen.

Eine Herausforderung, die sich bei allen Kryptowährungen unabhängig von der Legitimationsmethode stellt, ist jedoch die Deflation der Währungen. Die deflationäre Wirkung der Kryptowährungen verhindert den Nutzen als reguläres Zahlungsmittel und hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass sich Kryptowährungen zu einem Spekulationsobjekt entwickelt haben, deren Marktpreis stark vom reellen Wert abweicht. Wenn diese Spekulationsblase platzt, entfällt der Anreiz, an diesem Netzwerk teilzunehmen. So werden dem Netzwerk keine Ressourcen in Form von Speicher und Rechenleistung bereitgestellt, die Legitimation der gespeicherten Daten kann nicht mehr sichergestellt werden. Ein Beleg hierfür ist, dass sich außerhalb von Kryptowährungen keine Blockchains entwickeln konnten. Die Teilnahme an einem solchen Netzwerk würde für die Teilnehmer keinen wirtschaftlichen Mehrwert bieten.

Authentizität der Informationen

Zweifelhaft ist auch, inwiefern Blockchain die Authentizität der Dokumente gewährleistet. So bildet zwar der Hashwert gespeicherte Daten ab. Allerdings ist problematisch, inwiefern im Zeitpunkt des Speicherns die Daten Authentizität besitzen, also die Wirklichkeit widerspiegeln. Ein Beispiel für Konflikte, die sich bei der Verifikation von Geschäftsunterlagen mithilfe der Blockchain ergeben, ist die Aufbewahrung eines nicht legitimierten Vertrags.

Der in der Blockchain hinterlegte Hashwert verifiziert nicht den Vertragsschluss an sich, sondern prüft lediglich die Übereinstimmung des Hashwerts mit dem Vertragsdokument. Eine Verfälschung der Daten zwischen Vertragsschluss und Hinterlegung des Hashwerts in der Blockchain ist möglich. Es kann kein sicherer Nachweis erbracht werden, dass das gespeicherte Dokument tatsächlich demjenigen entspricht, auf das sich die Parteien geeinigt und bei Vertragsschluss unterschrieben haben.

Sinnvoller für diese Anwendungen ist die digitale Signatur, wie die "QeS". Diese Technologie ermöglicht die Legitimation des Vertrags durch die Vertragsparteien und stellt die zeitlich unbegrenzte Beweisbarkeit von Vertragsschlüssen sicher.

Wenn Sie mehr zu diesem Thema erfahren oder ein privates Feedback geben möchten, kontaktieren Sie uns gerne per Mail. Wir freuen uns auf Ihre Meinung!

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